15 Jahre „Netzwerk Integration im Landkreis Miesbach“

Integration als sozialpolitischer Prozess:

15 Jahre ‚Netzwerk Integration im Landkreis Miesbach‘ 2006 bis 2021

Im gemeinsamen Engagement für Integration trafen sich im Mai 2006 Vertreter*innen von Organisationen und Initiativen, die mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus verschiedenen Ländern arbeiteten.
Ihr gemeinsames Interesse war ein gelingendes Zusammenleben im Landkreis Miesbach, ungeachtet nationaler, kultureller oder religiöser Herkunft.

Bestehende und neue Akteure der praktischen Arbeit vor Ort vernetzten sich.

Es entstand das ‚Netzwerk Integration im Landkreis Miesbach‘, angesiedelt beim AWO Kreisverband Miesbach-Tegernsee – ein Forum für Kommunikation, Austausch und gemeinsame Aktivitäten, mit rund 30 Organisationen (Verbänden, Migrantenorganisationen, Vereinen, Kirchen, Schulen, Kindertagesstätten, Kultur- und Fortbildungseinrichtungen), dem Integrationsbeauftragten des Landkreises, den Integrationsbeauftragten aus Miesbach, Hausham und Holzkirchen sowie interessierten Einzelpersonen und Mitgliedern aus Asylhelferkreisen, mit Lisa Braun- Schindler als Sprecherin und Koordinatorin.

Die Ziele der gemeinsamen Arbeit waren und sind:

• zwischenmenschliche Begegnungen mit einheimischen und eingewanderten Mitbürgern unterstützen und Hemmschwellen abbauen
• den interreligiösen Dialog anregen und pflegen
• den Austausch von kulturellen Informationen und Erfahrungen fördern
• Kommunalpolitik, Öffentlichkeit und Presse für das Thema Integration sensibilisieren und über Entwicklungen im Landkreis informieren
• individuelle und gesellschaftliche Teilhabe und Zugehörigkeit von Migrantinnen und Migranten unterstützen

Die Schwerpunkte der Arbeit

lagen zunächst bei der Vernetzung von Aktivitäten, der Beantragung von gemeinsamen Projekten und der Bestellung von Integrationsbeauftragten.

Auf Antrag des Netzwerkes wurden Christa Kumpfmüller, ehemalige Rektorin der Grundschule Miesbach im Mai 2009 vom Kreistag als erste Integrationsbeauftragte für den Landkreis bestellt, ebenso wie Max Niedermeier, der im Mai 2013 vom Kreistag als nächster Integrationsbeauftragter des Landkreises ernannt wurde.

Anträge auf Bestellung von Integrationsbeauftragten in Gemeinden erfolgten ebenfalls über das Netzwerk:
Inge Jooß wurde Integrationsreferentin für die Stadt Miesbach, Baseem Bajaa, Beauftragter für Migranten im Markt Holzkirchen und Gerhard Klante, Integrationsbeauftragter für die Gemeinde Hausham.

Angebote zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Projekte mit Eltern wurden entwickelt und durchgeführt, interreligiöse Dialoge, kulturelle Veranstaltungen, Vorträge und Podiumsdiskussionen. Es entstanden Kooperationen mit Schulen, Kindergärten und Migrantenvereinen. In diesem Prozess fand interkulturelles Lernen für alle Beteiligten statt.

Beispiele langjähriger Aktivitäten sind u.a.:

• Das ‚Café International‘, 2004 bis 2015 an der Grundschule Hausham, mit vielen verschiedenen Angeboten für Kinder und Eltern
• Die niederschwelligen Deutschkurse der AWO für Frauen, von 2006 bis 2014 im türkisch-islamischen Kulturverein und an Schulen
• Das Internationale Frauenfrühstück, gegründet durch das Frauenforum der Stadt Miesbach in Kooperation mit dem katholischen und evangelischen sowie dem türkischen Frauenbund, feierte im März 2018 sein zehnjähriges Bestehen.
• und die türkisch-deutsche Mutter-Kind-Gruppe der AWO in Kooperation mit dem Kinderschutzbund, feierte 2019 ihr zehnjähriges Bestehen.

Mit Eröffnung der ersten Unterkunft für Asylbewerber 2011 in Miesbach verschoben sich die Arbeitsschwerpunkte des Netzwerk Integration. Der Bereich Asyl erforderte intensive Aufbauarbeit, das Forum Asyl mit einer zusätzlichen Vorbereitungsgruppe gründete sich. Max Niedermeier baute umfassende Handlungsfelder im Bereich Asyl auf: Asyl-Helferkreise in allen Gemeinden des Landkreises, den Integrationsbeirat, die Task force, diverse Arbeitsgruppen. Akquirierung von Spendengeldern für verschiedene Projekte und die Gründung des Vereins PIA (Pakt für Integration und Arbeit e.V.) sind weitere wichtige Säulen.

Anerkennung:

Die Aktivitäten des Netzwerks fanden auch öffentlich Anerkennung: Anerkennungsurkunde der Regierung von Oberbayern, Sozialpreis des Landkreises Miesbach sowie eine Urkunde des Freistaates Bayern; einzelne Mitglieder des Netzwerkes wurden für ihre Projekte gewürdigt und die Stadt Miesbach wurde 2009vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) zur „Stadt der Vielfalt“ ernannt.

Die Parabel des Philosophen Günther Anders illustriert dies:

Als die Mücke zum ersten Mal den Löwen brüllen hörte,
da sprach sie zur Henne: „Der summt aber komisch“.
„Summen ist gut“, fand die Henne.
„Sondern“? fragte die Mücke.
„Er gackert“, antwortete die Henne.
„Aber das tut er allerdings komisch“.

Fünfzehn Jahre Netzwerk Integration im Landkreis Miesbach haben Kräfte gebündelt und Brücken gebaut; es wurde ein sozialpolitischer Prozess ins Leben gerufen, der das Thema Migration und Integration im Landkreis verankert hat.

Ich danke allen Akteuren des Netzwerkes Integration für diese langjährige, lebendige, mutmachende und vor allem gemeinsame Arbeit.

Herzlichen Dank!
Lisa Braun-Schindler

Datum

06.10.2021
Vorbei!

Uhrzeit

Ganztägig

Veranstalter

PIA e.V. - Netzwerk Integration
Website
http://www.integration-mb.de
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